Effect on driving

“Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.”

Dr. Christoph Baumgärtel, MSc und Ing. Veronika Iro

Auf Österreichs Straßen kommt es immer wieder zu Unfällen unter Alkoholeinfluss – aber auch unter Medikamenteneinfluss. Die Fach- und  Gebrauchsinformation sowie Hinweise auf der Arzneimittelverpackung  bieten entsprechende Warnungen und sollten unbedingt beachtet werden.

 

Bestimmte Arzneimittel können die Verkehrstüchtigkeit unmittelbar beeinflussen, manchmal aber  auch noch am Tag nach der Einnahme. Diese Effekte können sowohl bei rezeptpflichtigen als auch rezeptfreien Medikamente auftreten. Häufig verstärken sich die Effekte durch gleichzeitige Einnahme von Alkohol oder durch zusätzliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Dabei können Symptome wie Müdigkeit, Schwindel, verschwommenes Sehen, Sehstörungen, plötzliches Einschlafen oder Krampfanfälle auftreten. Aus mehreren Publikationen ist bekannt, dass das Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr durch Einnahme von Medikamenten zudem oft unterschätzt wird.

 

Erhöhte Vorsicht ist vor allem zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosisänderung oder bei einer Umstellung der Medikation angebracht.

 

Beispiele für einige Arzneimittelklassen, die teilweise die Reaktionsfähigkeit oder die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen können:

  • Analgetika
  • Antidepressiva
  • Antidiabetika
  • Antiepileptika
  • Antihistaminika
  • Antihypertensiva
  • Anxiolytika
  • Hypnotika
  • Neuroleptika
  • Ophthalmologika

 

Spezifische Informationen bezüglich der Verkehrstüchtigkeit und der Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen sind in der Fachinformation in Abschnitt 4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen,  in der Gebrauchsinformation in Abschnitt 2 Was sollten Sie vor der <Einnahme> <Anwendung> von X beachten? sowie auf der Kennzeichnung in Form des Verkehrswarnhinweises - inklusive Verkehrswarndreieck - zu finden.

Auf Basis der pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Profile der jeweiligen Arzneimittel, sowie aufgrund berichteter Nebenwirkungen und gegebenenfalls spezifischer Studien, wird das jeweilige Potential die Verkehrstüchtigkeit negativ zu beeinflussen, in folgende Kategorien eingestuft:


a) Kein oder unbedeutender Einfluss
b) geringer Einfluss
c) mittelgradiger Einfluss
d) großer Einfluss 

 

Für Einstufungen der Fälle c) und d) sollten darüber hinaus zusätzliche spezielle Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen formuliert werden. Fazit: Insbesondere bei Einstufungen laut c) und d) ist daher für Österreich ein, wie oben genannter, Verkehrswarnhinweis auf Gebrauchsinformationen bzw. auf Kennzeichnungen zu führen.

Allgemeine Empfehlungen

 

  • Die gesamte Fachinformation bzw. Gebrauchsinformation sollte vor der Verordnung bzw. Einnahme eines Arzneimittels sorgfältig durchgelesen werden und auch die Hinweise auf der Kennzeichnung sollten beachtet werden.
  • Bei betroffenen Arzneimitteln sollte der verschreibende Arzt den Patienten auf die Tatsache, dass die Verkehrstüchtigkeit negativ beeinflusst werden kann, aufmerksam machen. Gleiches gilt für die Abgabe von betroffenen Arzneimitteln in der Apotheke, insbesondere bei rezeptfreien Arzneimitteln.
  • Bei Arzneimitteln mit der Einstufung c) oder d) bzw. mit einem Verkehrswarnhinweis kann es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit (muss aber nicht) zu einem Auftreten von negativen Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit kommen. Sicherheitshalber sollte in diesen Fällen das Lenken eines Fahrzeuges bzw. das Bedienen von Maschinen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit bedürfen, unterlassen werden.
  • Verschriebene bzw. empfohlene Dosierungen sowie der Einnahmerhythmus sollten unbedingt beachtet werden. Medikamente sollten von Patienten nicht kurzfristig oder selbstständig abgesetzt werden, in dem Glauben dadurch die Fahrtüchtigkeit erhöhen zu können.
  • Das Lenken eines Fahrzeugs und das Bedienen von Maschinen ist beim Auftreten von Symptomen wie z.B.: Schwindel, verschwommenes Sehen, Sehstörungen, plötzliches Einschlafen und Krampfanfälle zu unterlassen.

Created: 18.08.2015

© Austrian Federal Office for Safety in Health Care
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