Schwerpunktstudien zur Bekämpfung von Arzneimittelkriminalität

Schwerpunktstudien zur Bekämpfung von Arzneimittelkriminalität

Die Bekämpfung der Arzneimittelkriminalität erfolgt mittels folgender Doppelstrategie:

  1. Rasche Untersuchung von unbekannten beschlagnahmten Verdachtsproben zwecks Ermöglichung von Strafmaßnahmen (s. div. Homepage-Warnungen vor gefährlichen illegalen Arzneimittel sowie den europaweit Aufsehen erregenden Fall „Vigorali“).
  2. Durchführung von risikobasierten Schwerpunktstudien in Bereichen mit besonders hohen  Fallzahlen an riskanten Arzneimittelfälschungen. Darüber wird im Folgenden berichtet.

Diese Schwerpunktstudien zur Bekämpfung von Pharma-Crime werden vom OMCL seit 2000 regelmäßig im Auftrag des Gesundheitsministeriums durchgeführt. Die Auswahl der Themen und Proben erfolgt dabei auf Grund von Risikosignalen aus Arzneimittel- und Lebensmittel-inspektion, AMEG, ILFCM und OMCL-Network. Zusätzlich werden seit 2012 vom OMCL1-Network des EDQM2 sogenannte MSSIP durchgeführt (Market Surveillance Studies on suspected Illegal Products) und das österreichische OMCL nimmt regelmäßig an diesen europaweiten Programmen aktiv bei Planung, Beprobung und Analyse teil.  Der festgestellte hohe Anteil an Arzneimittelkriminalität bei diesen Studien zeigt, dass diese große Gefahr für die Volksgesundheit nur durch Untersuchung und Strafverfolgung, begleitet von Aufklärung und Steigerung der Wachsamkeit der Konsumenten bekämpft werden kann. In der folgenden Tabelle werden alle bisherigen Studien mit ihren Hauptergebnissen dargestellt.

 

 

NrJahrThemaAnzahl ProbenErgebnis - kurz gefasst
12000E-PHARMA – Arzneimittelvertrieb im Internet18* Bei 16,7% ist der Wirkstoffgehalt zu niedrig

* Unbekanntes postkoitales Contraceptivum „Tab 53“ identifiziert:
- Enthält den in Eur. nirgendwo zugelassenen Wirkstoff Anordrin
- Angaben zur Zusammensetzung und Anwendung fehlen
22003Viagra-Fälschungen aus dem Internet17* 100% der Proben gefälscht oder illegal

* 12%: Wirkstoffgehalt zu niedrig

* 12%: Wirkstoffverunreinigungen zu hoch

* Libidfit/Acedenafil: 1. Sildenafil-Analog in Österreich
32007Nahrungsergänzungsmittel im Sportnahrungsfachhandel45* Keine Anabolika nachweisbar!

* 44% enthalten andere rezept-/zulassungs-pflichtige Inhaltsstoffe

* 27% verstoßen gegen lebensmittel-rechtliche Kennzeichnungsvorschriften
42010Schlankheitsmittel59* 22% sind illegale Arzneimittel

* Missbrauchte Wirkstoffe: Sibutramin, Phenolphtalein, Yohimbin, Orlistat etc.
52011Kosmetika mit Wirkstoffverdacht 
1. Studie
88* 33% sind illegale Arzneimittel mit Wirkstoffen für folgende Indikationen:
1. Hautkrankheiten, div. 31,0%
2. Hautbleichmittel 13,8%
3. Antibiotika 13,8%
4. Potenzmittel (Lokalanästhetika) 10,3%
5. Antirheumatika 10,3%
6. Antimykotika 10,3%
7. Haarwuchsmittel 6.9%
8. Hirsutismus 3.4%
62012Nahrungsergänzungsmittel aus Alternativ- und Ethnoshops35* 17% sind illegale Arzneimittel mit Wirkstoffen für folgende Indikationen:
1. Appetitzügler
2. Abführmittel
72012MSSIP1: Slimming Dietary Supplements370
(AT: 20)
* 47% enthalten einen od. mehrere nicht deklarierte Arzneimittelwirkstoffe

* Missbrauchte Wirkstoffe:
- Sibutramin/-analoga (34%)
- Phenolphtalein (8,3%)
- und 38 Weitere

82013Kosmetika mit Wirkstoffverdacht 
2. Studie
50* 48% sind illegale Arzneimittel mit Wirkstoffen für folgende Indikationen:
1. Antirheumatika 37,5%
2. Potenzmittel (Lokalanästhetika) 12,5%
3. Hautkrankheiten, div. 12,5%
4. Hautbleichmittel 12,5%
5. Antibiotika 12,5%
6. Antimykotika 12,5%

* 67% der beanstandeten Proben stammen aus Firmen/Geschäften von Immigranten
92013MSSIP2: Dietary Supplements advertised as Sexual potency Enhancers519
(AT: 2)
* 52% enthalten einen od. mehrere nicht deklarierte Arzneimittelwirkstoffe

* Missbrauchte Wirkstoffe:
- Sildenafil/-analoga (39,1%)
- Tadalafil (10,1%)
- Yohimbin (2,7%)
- und 11 Weitere
102013Hoodia-Präparate10* 10% enthalten den Hoodia-Wirkstoff P57 --> Verletzung des Artenschutzabkommens

* 90% enthalten kein appetitzügelndes P57 --> Betrug
112013-2014Wimpernwachstumsmittel27
* 33% enthalten Prostaglandine

* Bei 1 Probe (3,7%) ist der Prostaglandingehalt so hoch, dass eine Arzneimitteleinstufung erfolgte
122014MSSIP3: Illegal Anabolics1600
(AT: 25)
* Laborarbeit abgeschlossen, Ergebnis folgt
132014-2015Verdächtige Präparate von Verkaufsmessen#* Laborarbeit abgeschlossen, Ergebnis folgt

1 OMCL: Official Medicines Control Laboratory
2 EDQM: European Directorate for the Quality of Medicines (Sitz in Strassburg)

 

Kontakt

basg.cpaaagesat

Erstellt am: 25.02.2015 | Geändert am: 26.02.2015

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