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Sicherheitsinformationen Erstellt am: 30.01.2017

Mögliche Wechselwirkungen bei “Pille danach” – Einnahme doppelter Dosis oder Kupferspirale notwendig

Neue Empfehlungen für Levonorgestrel-Notfallkontrazeptiva bei Wechselwirkungen mit CYP3A4-induzierenden Arzneimitteln


In Österreich werden die aktuellen Empfehlungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur nach einer fachlichen Überprüfung der Notfallkontrazeptiva (mit dem Wirkstoff Levonorgestrel) umgesetzt.


Die Wirkung Levonorgestrel-haltiger Notfallkontrazeptiva („Pille danach“) kann unter bestimmten Voraussetzungen vermindert sein. Zu dieser Beeinträchtigung der Wirksamkeit kommt es, wenn andere, gleichzeitig eingenomme, Arzneimittel die Aktivität eines bestimmten Leberenzyms (CYP3A4) steigern. Man spricht dann von einer Enzyminduktion. Zu den Wirkstoffen, die eine entsprechende Induktion auslösen, zählen zum Beispiel Johanniskrautpräparate, Rifampicin, gewisse HIV-Medikamente oder Antiepileptika (s. Tabelle unten).


Für Frauen, die eine Notfallkontrazeption mit Levonorgestrel-haltigen Arzneimitteln anwenden wollen und die innerhalb der letzten 4 Wochen CYP3A4-induzierende Arzneimittel eingenommen haben, besteht daher ein erhöhtes Risiko für verringerte Levonorgestrel-Plasmaspiegel und somit einer erniedrigten Wirksamkeit der Pille danach. Dies kann zur Folge haben, dass die Notfallkontrazeption bei üblicher Dosierung (Einmaldosis von 1,5 mg) nicht zuverlässig wirkt. Es ist somit notwendig entweder auf Alternativen auszuweichen oder die Dosis zu verdoppeln.


Konkret bedeutet das, dass Frauen, die enzyminduzierende Arzneimittel innerhalb der letzten 4 Wochen eingenommen haben und eine Notfallkontrazeption benötigen, empfohlen wird, primär eine nicht-hormonale Notfallkontrazeption zu verwenden (d. h. eine Kupferspirale) oder, wenn diese Frauen keine Kupferspirale verwenden können oder möchten, alternativ eine doppelte Dosis Levonorgestrel, d. h. zwei Tabletten zusammen (zu je 1,5 mg, also insgesamt 3 mg) eingenommen werden sollen.


Hinweis: Der ebenfalls zur hormonalen Notfallkontrazeption zugelassene, alternative Wirkstoff Ulipristalacetat (EllaOne 30 mg - Tablette) ist hingegen laut derzeit vorliegender Datenlage im Falle der oben beschriebenen Wechselwirkungen nicht empfohlen (weder in einfacher, noch doppelter Dosierung), da er bei gleichzeitiger Gabe mit CYP3A4-induzierenden Arzneimitteln einer besonders deutlichen Wirkstoff-Plasmaspiegelreduktion, teilweise bis zu mehr als 90%, unterliegt.

 

In Österreich sind folgende Arzneispezialitäten zugelassen:

 

  • Vikela 1,5 mg-Tablette

  • Levodonna 1500 Mikrogramm-Tablette

  • Navela 1,5 mg Tabletten
  • Postinor 1500 Mikrogramm-Tablette
  • Velafam 750 Mikrogramm-Tabletten

 

Levonorgestrel ist ein Notfallkontrazeptivum, das zur Vorbeugung einer ungewollten Schwangerschaft durch Einnahme innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen einer Verhütungsmethode angewendet wird. Levonorgestrel wirkt hauptsächlich durch die Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs. Je früher das Arzneimittel nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, desto wirksamer ist es. Es ist entweder als einzelne Tablette mit 1500 Mikrogramm (= 1,5 mg) Levonorgestrel oder als zwei Tabletten zu je 750 Mikrogramm Levonorgestrel erhältlich.

Beispiele für CYP3A4-Induktoren:

  • Carbamazepin

  • Efavirenz

  • Griseofulvin

  • Johanniskraut

  • Phenytoin

  • Primidon

  • Rifabutin

  • Rifampicin

 

Empfehlungen für Patientinnen:

- Die Notfallverhütung mit der Pille-danach kann zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach einer Verhütungspanne angewendet werden.
- Levonorgestrel ist ein Notfallkontrazeptivum, das zur Vorbeugung einer ungewollten Schwangerschaft durch Einnahme innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen einer Verhütungsmethode angewendet wird. Je früher das Arzneimittel nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, desto wirksamer ist es.
- Informieren Sie Ihren Apotheker oder Arzt, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen oder kürzlich eingenommen haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige oder pflanzliche Arzneimittel handelt. Einige Arzneimittel können nämlich verhindern, dass die „Pille danach“ effektiv wirkt. 

- Wenn Sie eines der folgenden Arzneimittel während der letzten 4 Wochen eingenommen haben, könnte die „Pille danach“ für Sie weniger geeignet sein:
Barbiturate und andere Arzneimittel zur Behandlung von Epilepsie (zum Beispiel Primidon, Phenytoin und Carbamazepin).

Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (zum Beispiel Rifampicin, Rifabutin). Arzneimittel zur Behandlung von HIV (Ritonavir, Efavirenz).

Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen (Griseofulvin).

Pflanzliche Heilmittel, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten.
- Ihr Arzt wird Ihnen dann möglicherweise eine andere Art (nicht-hormonaler) Notfallverhütung verschreiben, d. h. eine Kupferspirale. Wenn dies für Sie nicht in Frage kommt oder falls es Ihnen nicht möglich ist, umgehend Ihren Arzt aufzusuchen, können Sie eine doppelte Dosis Vikela einnehmen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Apotheker oder Arzt, wenn Sie weitere Beratung zur korrekten Dosis benötigen.

 

Weitere Informationen:

 

Presseaussendung der Europäischen Arzneimittelagentur (09.08.2016) link

 

Rückfragen:

Dr. Christoph Baumgärtel, Tel.: 050555/36004

E-Mail: christoph.baumgaertelagesat

 

Rückfragen (für Medien):

Kommunikationsmanagement, Tel.: 050555/25000

E-Mail: presse@ages.at

 

 

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