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Xigris (Drotrecogin alfa)
Erstellt am: 25.10.2011Xigris (Wirkstoff: Drotrecogin alfa) ist seit 2002 zur Therapie der schweren Sepsis bei erwachsenen Patienten mit Multiorganversagen zugelassen.
Die Ergebnisse einer kürzlich abgeschlossenen Studie zeigten keine statistische Überlegenheit der Wirksamkeitsparameter gegenüber Placebo. Der Zulassungsinhaber gab daher seine Entscheidung bekannt, die Zulassung auf freiwilliger Basis zurückzulegen.
Maßnahmen auf EU-Ebene
Die Anwendung von Xigris war auf die Anwendung bei schweren Fällen von Sepsis (mindestens zweifaches Organversagen vorliegend) beschränkt, wobei die Verabreichung innerhalb von längstens 48 Stunden (bevorzugt 24 Stunden) nach Beginn der schweren Sepsis zu erfolgen hatten. Für Kinder im Alter unter 18 Jahren und Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko war die Anwendung kontraindiziert.
Im Rahmen einer Evaluierung im Jahr 2007 fiel auf, dass der positive Wirksamkeitsnachweis der Zulassungsstudie PROWESS in keiner der später durchgeführten nachfolgenden Studien reproduziert werden konnte. Der Humanarzneimittelausschuss (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) veranlasste daraufhin die Durchführung einer weiteren, placebo-kontrollierten Studie zur Bestätigung, dass der therapeutische Nutzen von Xigris bei Patienten mit septischem Schock (einer Indikation, die der schweren Sepsis mit Organversagen sehr ähnlich ist), das mit seiner Anwendung verbundene Risiko überwiegt.
Die Resultate dieser Studie (PROWESS-SHOCK) liegen nur vor. Dabei zeigte sich, dass der primäre Endpunkt - eine statistisch signifikante Reduktion der Mortalität nach 28 Tagen gegenüber Placebo - nicht erreicht werden konnte (26,4 Prozent im Xigris Arm versus 24,2 Prozent unter Placebo; n=1.680 Patienten). Dasselbe gilt für den sekundären Endpunkt, die Reduktion der Mortalität von Patienten mit schwerem Protein-C Mangel. Dem gegenüber betrug das Risiko für schwere Blutungen (das Hauptrisiko des Präparates) 1,2 Prozent unter Xigris gegenüber 1,0 Prozent unter Placebo.
Diese Ergebnisse stellen das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Xigris in Frage. Der Zulassungsinhaber hat seine Entscheidung bekannt gegeben, das Präparat weltweit vom Markt zu nehmen. Das CHMP wird das Thema in seiner Sitzung vom 14.11. bis 17.11.2011 behandeln.
Situation in Österreich
In Österreich sind folgende Arzneispezialitäten zugelassen:
- Xigris 5 mg - Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung
- Xigris 20 mg - Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung
Empfehlungen des BASG
- Verschreiber werden angehalten, keine neuen Patienten mit Xigris zu behandeln.
- Laufende Therapien mit Xigris sind abzubrechen.
Weitere Informationen:
Presseaussendung der Europäischen Arzneimittelagentur (25.10.2011)
Rückfragen fachlich
Institut Pharmakovigilanz
Dr. Bettina Schade
E-Mail: pharm-vigilanzagesat
Rückfragen (Medien)
Kommunikationsmanagement
E-Mail: pr_pharmmedagesat