Informationen für Patienten
Ausgabe 0 - 03/2010
Erscheinung: 19.03.2010
News
Hinweis für Patienten - Nebenwirkungsmeldungen
Nach dem Österreichischen Arzneimittelgesetz und der Pharmakovigilanz-Verordnung sind in Österreich Angehörige der Gesundheitsberufe verpflichtet, Nebenwirkungen an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)/AGES PharmMed zu melden.
Nur in wenigen Ländern Europas, wie z.B. Großbritannien und den Niederlanden, ist derzeit bereits die Direktmeldung durch medizinische Laien an die Behörde möglich, nicht aber in Österreich. Wenn Sie eine Nebenwirkung durch die Einnahme eines Arzneimittels erleiden, melden Sie dies daher bitte Ihrem Arzt oder Apotheker.
Meldungen durch Patienten bzw. Angehörige an das Bundesamt erfordern (u.a. zur Sicherung der Diagnose) eine Bestätigung durch einen Angehörigen der genannten Berufsgruppen. Als Bestätigung werden jedoch auch medizinische Unterlagen (wie z.B. Arztbriefe), aus denen der Zusammenhang zwischen Einnahme eines Arzneimittels und einer mutmaßlichen Nebenwirkung hervorgeht, anerkannt.
Eine weitere Möglichkeit, Nebenwirkungen der Behörde zur Kenntnis zu bringen ist, diese direkt an den Zulassungsinhaber des Arzneimittels zu melden. Meldet ein Patient eine Nebenwirkung an den Zulassungsinhaber, ist dieser verpflichtet, diese Fallberichte dem BASG/AGES PharmMed im Rahmen des nächsten Sicherheitsberichtes (Periodic Safety Update Reports, PSUR) vorzulegen.
Bitte beachten Sie, dass das BASG/AGES PharmMed keine individuellen Therapie-empfehlungen abgeben kann, da Behandlung und Behandlungsschema vom Arzt individuell für den Patienten festgelegt werden und ausschließlich seiner Verantwortung unterliegen. Die Information auf dieser Website bzw. dem Newsletter ersetzt nicht die Beratung durch Ihren Arzt oder Apotheker.
Versorgungsengpass von Rabipur (Tollwutimpfstoff) bis Mitte 2010 absehbar
Rabipur kann sowohl vor (z.B. vor bestimmten Tropenreisen) als auch nach Kontakt mit einem tollwütigen Tier angewandt werden.
Grund für die knappen Liefermengen war eine Produktionsunterbrechung des Zulassungsinhabers Novartis. Novartis musste seine Betriebsstätten umbauen, um den gestiegenen internationalen Anforderungen an Produktionsanlagen für die Tollwut-Impfstoff-Herstellung zu entsprechen. Die erforderlichen Arbeiten sind zwischenzeitlich abgeschlossen und Novartis hat die Produktion bereits wieder aufgenommen. Neue Impfstoffchargen sind nach Angaben des pharmazeutischen Unternehmens voraussichtlich Mitte 2010 in Österreich erhältlich. Novartis wird ab diesem Zeitpunkt überdies ein Sicherheitslager einrichten, das einen sechsmonatigen Bedarf bedecken kann. Bis dahin sind die Lieferungen kontingentiert. Die Tollwut- und reisemedizinischen Zentren werden regelmäßig infomiert. Der 24-Stunden-Notfalldienst steht wie bisher zur Verfügung.
Nach Angaben des Zulassungsinhabers ist sichergestellt, dass für Personen, die in Gebiete mit erhöhter Tollwutgefahr reisen, aus einem deutschen Zentrum in Marburg Impfstoff bezogen bzw. über große Reiseimpfzentren direkt bestellt werden kann.
Kontakt:
AGES PharmMed
E-Mail: pr_pharmmedagesat
Arzneimittel
Wechselwirkungen von Arzneimitteln
Die Wirkung von einzelnen Arzneimitteln kann durch mehrere Faktoren wie Ernährung oder die gleichzeitige Einnahme von mehreren Arzneimitteln beeinflusst werden.
Die Wirkung von einzelnen Arzneimitteln kann durch mehrere Faktoren wie Ernährung oder die gleichzeitige Einnahme von mehreren Arzneimitteln beeinflusst werden. Nicht selten wird eine medikamentöse Therapie von Neben- und Wechselwirkungen begleitet.
Alle Arzneimittel besitzen neben der erwünschten Wirkung, auch (unerwünschte) Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, die unter dem Begriff Interaktionen bekannt sind. Eine Arzneimittel-Interaktion tritt auf, wenn sich zwei oder mehrere Arzneimittel gegenseitig positiv oder negativ beeinflussen.
Bemerkbar macht sich eine Arzneimittel-Wechselwirkung in Form einer Abschwächung oder Verstärkung einer Wirkung oder Nebenwirkung.
Bei Einnahme von mehreren Arzneimitteln können sich diese gegenseitig bei der Aufnahme, Verteilung, Ausscheidung oder am Wirkort, zum Beispiel am Herzen oder anderen Organen beeinflussen: sie können sich in ihrer Wirkung hemmen oder verstärken. So können zum Beispiel auch in Verbindung mit Milch und Fruchtsäften, insbesondere Grapefruitsaft, Reaktionen auftreten. Ernste Nebenwirkungen, wie Wirkungsverlust oder Vergiftungserscheinungen, können die Folge sein.
Auch positive Wechselwirkungen sind manchmal zu beobachten. Hier wird die Wirkung eines Arzneimittels gesteigert, wobei die Nebenwirkungen schwächer ausfallen. Diese Erkenntnis wird bereits in Form von Tabletten genutzt, wo zwei unterschiedliche Wirkstoffe kombiniert sind.
Der Wechselwirkungen sind sich viele Menschen nicht bewusst, da diese nicht nur durch rezeptpflichtige Arzneimitteln verursacht werden. Auch durch Selbstmedikation, zum Beispiel durch schmerzstillende aber auch manche pflanzliche Arzneimittel besteht die Gefahr von Interaktionen.
Das Risiko für Interaktionen liegt bei einer Einnahme von zwei Arzneimitteln bei rund 13 Prozent. Ab einer Anzahl von vier verschiedenen Arzneimitteln liegt sie schon bei etwa 60 Prozent. Bei medikamentös behandelten Patienten im Alter von 75 Jahren wurde festgestellt, dass diese durchschnittlich acht verschiedene Arzneimittel einnehmen.
Zukünftig ist mit einer Zunahme von Wechselwirkungen zu rechnen, da die Bevölkerungsgruppe der Senioren ansteigt. Diese sind Zielgruppe für die gleichzeitige Einnahme von mehreren Arzneimitteln. Entsprechend wichtig ist, bevor ein Arzneimittel eingenommen wird, die Gebrauchsinformation durchzulesen. Regelmäßige Kontrollen durch den Arzt und Apotheker wirken der Gefahr von Interaktionen entgegen.
Kontakt:
AGES PharmMed
E-Mail: pr_pharmmedagesat
Kombination von blutverdünnenden Arzneimitteln ("Aspirin") und dem Schmerzmittel Ibuprofen
Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (auch ASS, - z.B. in Präparaten wie Aspirin, Thrombo ASS, Aspiricor, verschiedene Generika) wird zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauferkrankungen oder nach Schlaganfällen und Herzinfarkten zur Einnahme über einen längeren Zeitraum verschrieben. ASS zeigte bereits eine Reihe von Wechselwirkungen mit anderen Präparaten, die in der Gebrauchsinformation nachzulesen sind. Nun haben klinische Studien gezeigt, dass auch mit dem Schmerzmittel Ibuprofen (enthalten z.B. in Nurofen, Dismenol, Dolgit, Aktren, verschiedene Generika) Wechselwirkungen, die den Erfolg der Behandlung mit ASS einschränken könnten, möglich sind. Diese zusätzlichen Informationen wurden in die Gebrauchsinformation aufgenommen.
Wenn Sie ASS gemeinsam mit Ibuprofen einnehmen möchten, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen.
Nicht von dieser Wechselwirkung betroffen sind Präparate, die Acetylsalicylsäure in größeren Mengen enthalten und für kurze Zeit zur unterstützenden Behandlung von grippalen Infekten eingenommen werden (z.B. Aspirin, Aspro, Generika).
Arzneimittelsicherheit
Kampfer/Menthol
Arzneimittel, die Kampfer und/oder Menthol enthalten, sind häufig verwendete Mittel zur Behandlung von Erkältungskrankheiten. Sie kommen als Einreibungen oder für Inhalationen zum Einsatz. Das Risiko für Krämpfe des Kehlkopfs ist bei der Anwendung von Kampfer und/oder Menthol bereits bekannt. Bei Erwachsenen kommt es dazu erst bei sehr hoher Dosierung der Substanzen. Bei Kleinkindern oder Asthmapatienten könnte die Dosis, ab der Krämpfe auftreten, niedriger sein. Aus diesem Grund dürfen diese Arzneimittel bei Kindern unter zwei Jahren sowie bei Personen, die an Asthma leiden, nicht mehr angewendet werden. Bitte achten Sie auch bei Präparaten, die Sie in Ihrer Hausapotheke haben, genau auf die Inhaltsstoffe und fragen Sie Ihren Arzt/Ihren Apotheker, wenn Sie Zweifel haben. Der Warnhinweis wurde in die Gebrauchsinformation der betroffenen Präparate aufgenommen.
Desmopressin
Desmopressin durfte in Österreich in Form von Nasensprays (Nocutil, Minirin) zur Behandlung von Bettnässen (enuresis nocturna) bei Kindern angewendet werden. Dieser Anwendungsbereich ist seit 2007 in Österreich aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen aufgehoben worden. Desmopressin-hältige Nasensprays dürfen zur Behandlung von Bettnässen bei Kindern nicht mehr angewendet werden. Alternativen dazu sind Tabletten, die denselben Inhaltsstoff enthalten. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Ihr Kind Nasenspray gegen Bettnässen erhält.
Desmopressin in Nasensprays darf weiterhin zur Behandlung von Diabetes insipidus angewendet werden.
Kombinierte orale Kontrazeptiva ("Pille") und Thromboserisiko
Bei oralen Kontrazeptive handelt es sich um die „Pille“, in der ein Gestagen (z.B. Gestoden, Desogestrel) mit Ethinylestradiol kombiniert als Wirkstoffe enthalten sind. In die Gebrauchsinformation dieser kombinierten oralen Kontrazeptiva wurden neue Hinweise betreffend das Thromboserisiko aufgenommen. Eine Thrombose ist die Bildung eines Blutgerinnsels, das ein Blutgefäß verstopfen kann. Die Einnahme von kombinierten oralen Kontrazeptiva kann das Risiko für die Entstehung einer Thrombose erhöhen. Entsprechende Warnhinweise und weitere Erläuterungen wurden in die Gebrauchsinformationen aller kombinierten oralen Kontrazeptiva aufgenommen.
Ruhendstellung der Zulassung von Reductil und Sibutramin Teva
Anwender und Patienten werden ersucht zu beachten, dass:
- Sibutramin-haltige Arzneispezilitäten (Reductil und Sibutramin Teva) ab sofort nicht mehr verschrieben werden sollen.
- Sibutramin-haltige Arzneispezilitäten nicht mehr abgegeben werden sollen.
- Bitte wenden Sie sich an ihren behandelnden Arzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen (Patienten, die die Therapie noch vor dem Arztbesuch beenden wollen, können dies jedoch zu jedem Zeitpunkt tun)
Nähere Informationen:
Europäische Arzneimittelagentur
Kontakt:
AGES PharmMed
E-Mail: pr_pharmmedagesat
Arzneimittelfälschungen
Oblaten mit Anabolika
Die AGES PharmMed hat kürzlich Oblaten aus illegaler Herstellung geprüft, die mit Anabolika angereichert waren. Die Oblaten wurden im Waldviertel produziert und weltweit 30.000 Mal verkauft. Sie enthielten Anabolika sowie Spuren von Clenbuterol, Yohimbin (eine rezeptpflichtige Erektionshilfe) sowie Stanozolol. Clenbuterol wird im legalen Vertrieb zur Behandlung von Asthma bronchiale verwendet. Derzeit ist in Österreich kein Arzneimittel mit Stanozolol, ein Anabolikum, zugelassen.
Die Oblaten trugen die Namen „Rosa Oblate“, „Dunkelrosa Oblate“ und „Lila Oblate“. Die illegalen Arzneimittel wurden bereits von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Gesundheitsschäden, die durch Anabolika hervorgerufen werden, reichen von Leberschäden über Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Tod.
Kontakt:
Institut OMCL
Dr. Andreas Mayrhofer
Tel.: + 43 (0) 50 555-36910
E-Mail: andreas.mayrhoferagesat
Aktion: Gemeinsam gegen Arzneimittelfälschungen
Gefälschte Arzneimittel stellen weltweit ein zunehmendes Problem dar. Heute sind mehr als 95 Prozent der im Internet vertriebenen Arzneimittel Fälschungen oder Substandards.
Daher ist es unser Ziel, die Gesundheitsgefahren und Risiken von Arzneimittelfälschungen aufzuzeigen und einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Die AGES PharmMed veranstaltet am 23.04.2010 einen Publikumstag zum Thema Arzneimittelfälschungen Ein entsprechendes Aktionslogo soll diese Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne begleiten.
Nähere Details zum Publikumstag finden Sie hier.
Sollten Sie mögliche illegale Aktivitäten beobachten, so informieren Sie uns bitte enforcementagesat bzw. telefonisch an +43 (0) 50 555-36405.
Aktion: Gemeinsam gegen Arzneimittelfälschungen! - Ein Gemeinschaftsprojekt der AGES PharmMed und des Bundesministeriums für Gesundheit!
Erstellt am: 05.03.2010
