Zum Inhalt . Zur Navigation . Zur Suche

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen AGES Medizinmarktaufsicht

26.01.2010 - Internationaler Vergleich

Die österreichische Arzneimittelagentur AGES PharmMed

Die enge und kontinuierliche Zusammenarbeit von Experten der AGES PharmMed auf europäischer und internationaler Ebene trägt zum Auf- und Ausbau der jeweiligen Expertise und stabiler Netzwerke bei. In diesem Zusammenhang beheimatet die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA – vormals EMEA, seit 2010 neue Abkürzung) in London die meisten Arbeitsgruppen, in denen unter anderem auch österreichische Experten vertreten sind. Die EMA ist die dezentrale Einrichtung der Europäischen Union, die mit Hilfe der nationalen Vertreter Human- und Tierarzneimittel beurteilt und überwacht. Die Heads of Medicines Agencies (HMA) wiederum bilden das Netzwerk der nationalen Zulassungsagenturen, die die Experten auf europäischer Ebene stellen.
 
Österreich im Vergleich bei Arzneimittelzulassungsverfahren

Seit 01.01.2005 existieren drei europäische Zulassungsverfahren, die die Verfügbarkeit eines Arzneimittels in bestimmten Mitgliedsstaaten (Gegenseitiges Anerkennungsverfahren/Dezentrales Verfahren) oder für alle Mitgliedsstaaten auf einmal (Zentrale Zulassung) ermöglichen. Bei diesen Verfahren arbeiten Arzneimittelagenturen aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam am Zulassungsdossier. Die österreichische Arzneimittelagentur konnte sich in den ersten vier Jahren ihres Bestehens auf Platz sieben in der EU-Statistik im Hinblick auf die RMS-Tätigkeit (Reference Member State, d.i. der für die Zulassung federführende Staat) bei Gegenseitigen Anerkennungs-/Dezentralen Verfahren einreihen. Besonders bei der Registrierung von pflanzlichen Arzneimitteln rangiert Österreich im Spitzenfeld aller europäischen Agenturen und reihte sich 2009 an die zweite Stelle.

 

Arzneimittelsicherheit: Worksharing in der Pharmakovigilanz

Die Überwachung von Arzneimitteln, die zur Prophylaxe, Diagnose oder Behandlung von Krankheiten angewendet werden, verantwortet nach der Zulassung die Pharmakovigilanz. Systematische Pharmakovigilanz lässt also den Nutzen und Schaden abwägen und Vergleiche zwischen verschiedenen Behandlungen ziehen. Das Spontanmeldewesen bleibt dabei eines der wichtigsten Instrumente zur frühzeitigen Erkennung und Charakterisierung schwerwiegender Arzneimittelreaktionen. Durch die Nutzung des gesamteuropäischen Datenpools können insbesondere nationale Störfaktoren ausgeglichen werden. Die daraus resultierenden Maßnahmen werden vorzugsweise in konsolidierter Form auf europäischer Ebene eingeleitet oder national notwendig gewordene Maßnahmen auf die europäische Ebene ausgedehnt. „Die Experten der Pharmakovigilanz erreichten bei der Fallübermittlung an die EMA im ersten Halbjahr 2009 bei 1.455 übermittelten Fallmeldungen einen Compliance-Wert von 99,5 Prozent“, erläutert Ao. Univ.-Prof. Dr. Marcus Müllner, Leiter der AGES PharmMed.

 

Im Sinne einer gemeinsamen, europaweiten Ressourcennutzung und Harmonisierung wurde auf Anregung der HMA das Projekt Harmonised Birthdates (HBD) ins Leben gerufen. Dabei werden Periodic Safety Update Reports (PSUR) zu wirkstoffgleichen, national zugelassenen Arzneispezialitäten bei allen zuständigen Behörden zum gleichen Zeitpunkt vorgelegt und im Rahmen einer Worksharing Procedure begutachtet. Daraus resultiert ein gemeinsames Gutachten über Sicherheitsdaten zu in Frage kommenden Arzneispezialitäten und ein Core Safety Profile (CSP) zur anschließenden nationalen Umsetzung in alle Fachinformationen. Österreich ist mit 25 P-RMS(PSUR- Reference Member State)ships an diesem Projekt beteiligt und seit Juni 2009 in der koordinierenden PSUR Worksharing Group vertreten. Seit Beginn des Projektes wurden in Österreich insgesamt acht CSPs erfolgreich in nationale Fachinformationen implementiert. „Mit November 2009 wurden auf diese Weise mehr als 100 Präparate aktualisiert“, so Müllner. Die von BASG/AGES PharmMed praktizierten Definitionen und Abläufe wurden darüber hinaus im September 2009 in Abstimmung mit Vertretern aller Mitgliedstaaten und der Industrie in die Richtlinien des Projektes übernommen.

 

Internationale Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten: Inspektionen

Die behördliche Inspektion ist ein wesentlicher Teil der Qualitätssicherung in der pharmazeutischen Entwicklung. Ihr unterliegen die verschiedensten Entwicklungsschritte eines Arzneimittels: Die vorklinische  und  klinische Arzneimittelprüfung, die Herstellung, die Distribution und schließlich die Lagerung. Durch die zunehmende Globalisierung müssen diese Kontrollen heute grenzüberschreitend durchgeführt werden. So werden Arzneimittel zum Teil in Drittländern produziert und anschließend zur Endfertigung in den EWR importiert. Um aber Fertigarzneimittel oder Blutprodukte nach Europa importieren zu dürfen, muss zuvor die Fertigung im Drittland durch eine europäische Behörde inspiziert worden sein und ein europäisches Zertifikat besitzen, mit dem die europäische Qualität garantiert wird. Diese Inspektionen führt auch die AGES PharmMed durch.

 

Eine wichtige Ausgangssubstanz für Arzneimittel ist Blutplasma. Da in Österreich zwei der größten Hersteller von Arzneispezialitäten aus menschlichem Blutplasma ansässig sind, verantworten österreichische Inspektoren mittlerweile auch den Großteil der Inspektionen von Plasmaspendezentren. Diese befinden sich in erster Linie in den USA. Jährlich werden zumindest acht Inspektionsreisen mit zwei Inspektoren zu jeweils 14 Tagen durchgeführt. Allein im Jahr 2009 kontrollierten die österreichischen Inspektoren insgesamt 47 Plasmazentren (bzw. zugehörige Kontrolllabore). Diesen Inspektionen liegen Qualitätsrichtlinien zugrunde, die die Betriebe einhalten müssen. Nachdem österreichische Inspektoren auf diesem Gebiet europaweit federführend sind, koordinierten sie auch die entsprechende Guideline, den so genannten Annex 14 zum Leitfaden einer Guten Herstellungspraxis.

 

Österreich und Frankreich: Generika-Inspektion

Ein anderes Fachgebiet, auf dem die AGES PharmMed gemeinsam mit der französischen Behörde die europäische Spitze bildet, ist die Inspektion der Zulassungsdaten für Generika. Seit Bestehen der AGES PharmMed wurden 642 europäische Anträge mit Österreich als RMS eingereicht, davon betrafen 565 Generika. Im Jahr 2009 wurden 138 generische Anträge verzeichnet. Für die Zulassung müssen Generika durch eine klinische Studie zeigen, dass sie hinsichtlich ihrer Bioverfügbarkeit dem Originalpräparat gleichwertig sind. Diese eingereichte Studie wird in Österreich dann inspiziert, wenn das durchführende Forschungsinstitut der AGES PharmMed unbekannt ist. Regelmäßig überprüfen daher die österreichischen Inspektoren die Studien, die hauptsächlich in Kanada, Osteuropa und Südostasien durchgeführt werden. In den vergangenen zwei Jahren wurden durch diese Inspektionen insgesamt sechs Anträge abgelehnt oder nach Inspektionsankündigung zurückgezogen (einmal Jordanien, dreimal Indien, einmal Griechenland und einmal Spanien). Für 2010 rechnet die AGES PharmMed mit etwa zwölf derartigen Inspektionen.

 

Die gemeinsame Inspektion durch mehrere EU-Mitgliedsstaaten trägt der Internationalität Rechnung. Dazu zählen EMA-Inspektionen ebenso wie der bilaterale Informationsaustausch und das gemeinsame Vorgehen mit einzelnen Nicht-EU-Mitgliedsstaaten (z.B. Schweiz, Kanada). „Durch die grenzüberschreitenden Zulassungen geht die Verantwortung für ein Inspektionsergebnis längst über die eigenen Staatsgrenzen hinaus. Die zwischenstaatliche Anerkennung der qualitätssichernden Maßnahmen der nationalen Behörden bedeutet, dass Verantwortung für die Patienten anderer Länder übernommen werden muss, dass man sich auf Inspektionsresultate eines anderen Landes beziehen und davon ausgehen kann, dass sämtliche Mitgliedsstaaten ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen, die nötigen fachlichen und personellen Ressourcen für diese Kontrollmaßnahmen zur Verfügung zu stellen“, so DDr. Alexander Hönel, Leiter des Institutes Inspektionen, Medizinprodukte & Hämovigilanz.

 

Rückfragen:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Marcus Müllner
Leiter AGES PharmMed
E-Mail: pr_pharmmedagesat

 

 

DDr. Alexander Hönel
Leiter Institut Inspektionen, Medizinprodukte & Hämovigilanz
E-Mail: pr_pharmmedagesat

Zum Seitenanfang springen

Erstellt am: 27.01.2010

Zum Seitenanfang springen