Meizitang
Datum der Warnung: 16.11.2010 - In Österreich nachgewiesen: JA
Produktname: Meizitang
Am illegalen Arzneimittelmarkt tauchte ein Produkt mit dem Namen „Meizitang“ auf. Es wird als Schlankheitsmittel beworben. Analysen des staatlichen Arzneimittelkontrolllabors (Official Medicines Control Laboratory, OMCL) ergaben, dass dieses Produkt die Arzneimittelwirkstoffe Sibutramin und Phenolphthalein enthält. Die Wirkstoffe sind nicht auf der Verpackung angegeben.
Im Jahr 2010 setzte die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) die europaweite Zulassung von Sibutramin aufgrund von Sicherheitsbedenken (erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall) aus. Phenolphthalein ist ein lange verbotener Arzneimittelwirkstoff, der unter Verdacht steht, beim Menschen krebserregend zu sein. Dies wurde im Tierversuch nachgewiesen.
Durch die Anwendung von Meizitang ist eine Gesundheits- bzw. Lebensgefährdung gegeben, da
- es nicht als gesichert erscheint, dass bei Gebrauch keine schädlichen Wirkungen auftreten,
- die Anwendung ohne ärztliche Überwachung (einschließlich vorhergehende ärztliche Untersuchung) erfolgt,
- keine (adäquate) Gebrauchsinformation beiliegt,
- der begründete Verdacht besteht, dass die Arzneimittel in ihrer Qualität nicht dem jeweiligen Stand der Wissenschaft entsprechen,
- einer der enthaltenen Wirkstoffe möglicherweise krebserregend ist.
Die Anwendung von Arzneimitteln, die Sibutramin enthalten, stellt ein hohes gesundheitliches Risiko für Patienten dar. Auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch kann Sibutramin die Gesundheit gefährden, deshalb soll die Anwendung ausschließlich unter ärztlicher Überwachung bzw. Verschreibung erfolgen.
Vertriebsform
Das Produkt „Meizitang“ wird im Internet über die Website „www.lida-original.com“ vertrieben. Das Produkt wird ohne Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), ohne Gebrauchsinformation und ohne ärztliche Verschreibung in Verkehr gebracht. Das BASG hat rechtliche Maßnahmen gegen den weiteren Vertrieb dieses Produktes eingeleitet.
Was Sie machen sollten, falls Sie dieses Produkt gekauft oder eingenommen haben
Wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt, insbesondere wenn
- Sie nach Einnahme des Produkts unerwünschte Wirkungen oder Nebenwirkungen feststellen oder
- sich in jeglicher Weise in Ihrer Gesundheit beeinträchtigt fühlen.
- Von der Einnahme/Anwendung des Produkts wird dringend abgeraten.
- Wenden Sie sich an Ihre Apotheke, um das Produkt ordnungsgemäß zu entsorgen.
Pharmazeutischer Hintergrund zum illegalen Arzneimittelwirkstoff "Sibutramin"
- Sibutramin ist ein Arzneimittel, das die Gewichtsreduktion durch Wirkungen auf das Zentralnervensystem (Gehirn) unterstützt.
- Sibutramin darf nicht bei nicht ausreichend behandeltem Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (einschließlich Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen in den Gliedmaßen), schwerer Einschränkung der Leber- oder Nierenfunktion, bestimmten psychischen Erkrankungen (z. B. manisch-depressive Erkrankung), Tourette-Syndrom, Schilddrüsenüberfunktion, Prostatavergrößerung, Nebenrindentumor (Phäochromozytom), grünem Star und bei Drogen-, Arzneimittel- oder Alkoholmissbrauch in der Vorgeschichte und gleichzeitiger Einnahme von bestimmten anderen Arzneimitteln, die auf das Zentralnervensystem wirken, eingenommen werden.
- Vorsicht ist geboten bei Epilepsie, Depressionen, leichten bis mittelschweren Störungen der Leber- oder Nierenfunktion, Tic-Störungen und erhöhter Blutungsneigung (auch durch die Einnahme von anderen Arzneimitteln bedingt).
- Während der Behandlung sind Blutdruck und Puls zu überwachen.
Nebenwirkungen
- Sehr häufig Schlafstörungen, Verstopfung und Mundtrockenheit; häufig Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Herzklopfen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Angstzustände, Hautkribbeln, Schwindel, Hitzewallungen oder Schwitzen. Weitere Nebenwirkungen sind Krampfanfälle, Gedächtnisschwierigkeiten, verschwommenes Sehen, Durchfall, Erbrechen, Schütterwerden der Haare, Erektions-/Orgasmusstörungen, Störungen des Menstruationszyklus, Einblutungen in die Haut mit Gelenkschmerzen, Erregung oder Niedergeschlagenheit, Magenblutung, Nierenstörungen, Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase und Anstiege bestimmter Leberwerte.
- Wie bei anderen zentralnervös wirkenden Substanzen kann das Reaktionsvermögen vermindert sein.
Pharmazeutischer Hintergrund zum illegalen Arzneimittelwirkstoff "Phenolphthalein"
- Phenolphthalein hat eine abführende Wirkung und darf nicht bei Darmverschluß und unklaren Beschwerden im Bauchbereich eingesetzt werden.
- Vorsicht ist geboten bei Kalium- und allgemeinem Flüssigkeitsmangel sowie bei entzündlichen Darmerkrankungen.
- Eine Einnahme über längere Zeiträume ist zu vermeiden.
Nebenwirkungen
- Für Abführmittel typische Effekte auf den Magen-Darm-Trakt wie Blähungen, Durchfall, gelegentlich krampfartige Bauchschmerzen. Weiters kann es zu Störungen der Herz-, Nieren- oder Lungenfunktion sowie des Mineralstoffhaushaltes kommen. Bei Anwendung höherer Dosen oder über längere Zeit kann es zu Kaliumverlusten, die die Darmträgheit weiter verstärken, sowie zu Darmschädigungen kommen. Im Tierversuch wurden nach hohen Dosen tumorauslösende Wirkungen beobachtet.
INFOBOX
Für Rückfragen kontaktieren Sie bitte
enforcementbasg.gvat | +43 (0) 50 555-36405
Erstellt am: 18.11.2010

