Ausgabe 12 - 04/13

Ausgabe 12 - 04/2013

Erscheinung: 26.04.2013

News

Neues Glossar online

BASG / AGES Medizinmarktaufsicht publiziert praktisches Nachschlagewerk auf der Website www.basg.gv.at.

red

Das Glossar bietet zu zahlreichen Krankheitsbildern Informationen zu den Symptomen, den Ursachen und zur Krankheit selbst. Die Suche kann dafür entweder über die Eingabe des Krankheitsbildes selbst (z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung) oder über den jeweiligen Anfangsbuchstaben der Erkrankung erfolgen.

 

Dieses Nachschlagewerk wird laufend um neue Begriffserklärungen erweitert. Patienten, die einen Begriff nicht gefunden haben, sind eingeladen, diesen an pharm-vigilanzagesat zu übermitteln.

Arzneimittel

Arzneipflanzenportrait: Kap-Pelargonie

Pelargonien haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im südlichen und östlichen Afrika.

Reinhard Länger

Aufgrund der attraktiven Blüten sind viele Arten und Hybriden bei uns geschätzte, allerdings nicht winterharte Zierpflanzen. Die Laubblätter sind meist rundlich gelappt, die oberen beiden Blütenblätter unterscheiden sich oft deutlich in Gestalt und/oder Größe von den unteren drei Blütenblättern. Die den Pelargonien zum Teil sehr ähnlichen Vertreter der Gattung Geranium können durch ihre kreisrunden Blüten unterschieden werden. Die Form der Früchte von Geranien und Pelargonien ist namensgebend für die Familie, der beide Gattungen zugeordnet werden: die an der Basis kugelige Kapsel weist einen langen schlanken Schnabel auf, deshalb der Name ‚Storchschnabelgewächse‘. Bei der Fruchtreife entstehen im Fruchtschnabel durch das Austrocknen starke Spannungen, bis sich die Fruchtklappen explosionsartig öffnen und die Samen wegschleudern.
  
Die Blüten der Kap-Pelargonie sind violett bis dunkelrot (P. sidioides) oder rosa (P. reniforme), die Laubblätter eher klein, nahezu kreisrund und wie viele Pelargonien und Geranien samtig mit Drüsenhaaren besetzt. Pelargonium reniforme ist in den Küstengebieten der östlichen Kapregion Südafrikas zu finden, während P. sidoides von den Gebirgen Südafrikas (bis zu einer Seehöhe von 2300 Metern!) bis zu weiter nördlich liegenden inneren Landesteilen Afrikas beheimatet ist. Die Wurzeln beider Arten werden in der traditionellen Medizin Südafrikas bei Atemwegs- und Lungenerkrankungen eingesetzt. Die ‚Stevens´Consumption Cure‘ fand von England ausgehend zu Beginn des 20. Jahrhunderts Interesse vor allem in Frankreich, der Schweiz und Deutschland.

Die Kap-Pelargonie als pflanzliches Arzneimittel

Extrakte aus der Wurzel werden traditionell zur symptomatischen Behandlung grippaler Infekte eingesetzt.

Reinhard Länger

Zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln werden die Wurzeln von Pelargonium sidoides und P. reniforme herangezogen. Die Qualitätskriterien für das Pflanzenmaterial sind im Europäischen Arzneibuch definiert, mindestens 2.0 Prozent Gerbstoffe muss in den getrockneten Wurzeln enthalten sein. In der Literatur werden Cumarine als weitere prominente Inhaltsstoffe genannt.
 
Die Anwendung als Arzneitee ist unüblich, hingegen werden seit Jahrzehnten alkoholisch-wässrige Extrakte medizinisch angewendet. Gemäß EU-Gemeinschaftsmonographie des HMPC erfüllt ein Flüssigextrakt hergestellt mit Ethanol elf Prozent (m/m) alle Anforderungen für ein traditionell pflanzliches Arzneimittel. Gemäß der langjährigen Verwendung in der EU wurde als Anwendungsgebiet die symptomatische Behandlung grippaler Infekte definiert.
 
Wenn trotz Einnahme von Arzneimitteln aus Kap-Pelargonie die Symptome länger als eine Woche bestehen bleiben, muss ärztlicher Rat eingeholt werden.
 
Ausgehend vom Vorkommen an Cumarinen in den Extrakten wurde ein möglicher Einfluss dieser Arzneimittel auf die Blutgerinnung diskutiert. Da aber weder die in der Pflanze vorkommenden Substanzen jene chemischen Strukturmerkmale aufweisen, die für eine Wechselwirkung mit dem Blutgerinnungssystem notwendig sind, noch Berichte über Störungen der Blutgerinnung aus der jahrzehntelangen medizinischen Anwendung bekannt sind, wurde von einer entsprechenden Anwendungseinschränkung in der EU-Gemeinschaftsmonographie abgesehen.
  
In jüngster Zeit wurden vereinzelt Leberfunktionsstörungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Zubereitungen aus der Kap-Pelargonie beobachtet. Da momentan kein ursächlicher Zusammenhang erkennbar ist, wird bis zur wissenschaftlichen Klärung durch den Ausschuss für Pharmakoviglanz und Risikobewertung (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) empfohlen, bei eventuell auftretenden Zeichen einer Leberschädigung die Einnahme dieser Arzneimittel sofort zu beenden und einen Arzt aufzusuchen.
  
Arzneimittel aus der Kap-Pelargonie zählen zu den bedeutendsten pflanzlichen Arzneimitteln in der EU, sie sind in zwölf EU Ländern als Arzneimittel am Markt, insgesamt sind 47 Produkte in der EU zugelassen oder registriert.

Arzneimittelsicherheit

Einsatz von Ibuprofen bei Kindern

Da Ibuprofen nur die Symptome einer möglichen Infektion, wie z.B. Fieber oder Schmerzen, nicht jedoch deren Ursache bekämpft, kann diese unter Umständen unbemerkt fortschreiten – mit in Einzelfällen sogar tödlichem Ausgang.

Veronika Iro

Ibuprofen ist ein Arzneimittelwirkstoff aus der Gruppe der nicht-steroidalen Entzündungshemmer und wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Arzneimittel, die Ibuprofen enthalten, werden zur Kurzzeitbehandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen und Fieber verwendet. 


Für Kinder gibt es in Österreich verschiedene Arzneiformen wie Sirup, Suspensionen oder Zäpfchen. Diese unterliegen der Rezeptpflicht und sind daher nur nach ärztlicher Verschreibung einzunehmen. Die Dosierung hängt bei Kindern von dem Alter und dem Körpergewicht ab. Um das Risiko für das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen zu minimieren, sollten Ibuprofen-hältige Arzneimittel in der niedrigsten, wirksamen Dosis und über den kürzest möglichen Zeitraum angewendet werden.


Bei Hirnhautentzündung (Meningitis) handelt es sich um eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Häufig wird Meningitis durch Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten ausgelöst. In diesen Fällen spricht man von einer Infektionskrankheit. In schweren Fällen kann sich eine Meningokokkensepsis entwickeln: Die Sepsis (Blutvergiftung) ist eine Allgemeininfektion, die durch Streuung von Bakterien in die Blutbahn hervorgerufen wird und bedarf einer sofortigen Behandlung, da sie tödlich verlaufen kann. Gegen spezielle Meningitis-Erreger gibt es Schutzimpfungen (Haemophilus influenza Typ b (HIB), Pneumokokken, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

 

Grundsätzlich kann man aber nicht vollständig gegen alle Arten von Meningitis vorbeugen. Hirnhautentzündung kann auch durch verschiedene nicht-infektiöse Ursachen ausgelöst werden. Als aseptische Meningitis bezeichnet man alle Formen der Meningitis, bei denen kein bakterieller Erreger nachgewiesen werden kann. Verschiedene Autoimmunerkrankungen wie z.B. Lupus  erythematodes oder Mischkollagenosen könnten das Risiko für aseptische Meningitis erhöhen.

 

Weltweit wurden einige Fälle von aseptischer Meningitis und Meningokokkensepsis nach Einnahme von Iboprofen-hältigen Arzneimitteln beschrieben. Von einer derartigen Verschlechterung wurde jedoch nur sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Anwendern) berichtet.  Aufgrund der geringen Anzahl kann nicht sicher auf einen ursächlichen Zusammenhang geschlossen werden. Falls sich also bestehende Krankheitssymptome während der Einnahme verschlechtern oder für mehr als drei Tage bestehen bleiben, sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, da eine antibiotische oder eine antivirale Therapie benötigt werden könnte. Auch bei Symptomen wie Nackensteifigkeit, starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sollte unverzüglich ein Arzt kontaktiert werden.

 

Was ist bei der Einnahme von Ibuprofen-hältigen Arzneimitteln bei Kindern zu beachten: 

  • nur nach ärztlicher Verschreibung einnehmen (keine vorhandenen Reste ohne neuerliche ärztliche Beratung verwenden!) 
  • Die Dosierungsanweisungen sind gemäß der ärztlichen Verschreibung einzuhalten (sie richten sich nach dem Alter und dem Körpergewicht)
  • Wenn sich Krankheitssymptome während der Einnahme verschlechtern oder für mehr als drei Tage bestehen bleiben, einen Arzt aufsuchen.
  • Auch bei Symptomen wie Nackensteifigkeit, starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen unverzüglich ein Arzt kontaktieren.

Erstellt am: 26.04.2013

© Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
nach oben