Plasma Master File

Plasma Master File

Das Plasma Master File (PMF) bezeichnet einen Teil jenes Zulassungsdossiers, das für die Zulassung eines Plasmaproduktes  vorgelegt werden muss. Der PMF-Teil deckt folgende Inhalte (grob zusammengefasst) ab: 

  • Kriterien zur Auswahl der Plasmaspender: Diese sind EU-weit gesetzlich geregelt und müssen eingehalten werden. Die Kriterien gliedern sich in solche, die den Spenderschutz, und solche, die den Schutz des Empfängers gewährleisten. Die Kriterien zum Schutz des Empfängers gliedern sich in Ausschlusskriterien und Rückstellungskriterien (vorübergehender Ausschluss). 
  • Blutspende/Plasmaspende: Die Spende erfolgt als Vollblutspende oder als Plasmapheresespende. Bei der Plasmapherese wird das Blut des Spenders durch eine Kanüle im Arm in eine Maschine gepumpt, die die Blutzellen vom Plasma trennt. Am Ende des Prozesses werden die Zellen durch dieselbe Kanüle in den Körper des Spenders zurückgeführt. Im Spendenbeutel verbleibt das Plasma (gelbliche Flüssigkeit). Bei der Vollblutspende erfolgt nach der Spende eine Filtration (zur Abscheidung von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen), danach eine Zentrifugation und Separation. Als Ergebnis erhält man das Erythrozytenkonzentrat (Blutkonserve) und Plasma, das schockgefroren und danach tiefgefroren gelagert wird (Fresh Frozen Plasma). 
  • Testung der Spenden inkl. angewendeter Testkits: Die Erstspende wird getestet, um die Sicherheit und Qualität sicherzustellen. Wenn der betreffende Spender eine zweite Spende geleistet hat und deren Sicherheit bestätigt wurde, wird die Erstspende zur Verarbeitung freigegeben. Getestet wird auf HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und andere Krankheitserreger. Alle Spenden, bei denen ein Virustest positiv ausfällt, werden verworfen.
  • Die Epidemiologie, die darauf schließen lässt, ob sich in jenen Bereichen, in denen die Spender leben, bestimmte Infektionskrankheiten ausbreiten oder zurückgehen. 
  • Testung der Plasmapools inkl. angewendeter Testkits: Der Plasmapool wird beim Hersteller des Plasmaproduktes folgendermaßen kreiert: Tiefgefrorene Plasmaspenden werden entpackt und in einem Stahltank unter Rühren aufgetaut. Aus diesem Plasmapool werden Proben für die Testung gezogen. Die gezogenen Proben werden nicht nur durch den Hersteller, sondern auch durch die Behörde getestet (siehe Plasmapooltestung durch die Behörde).
  • Das so genannte „Look Back System“ : die Rückverfolgbarkeit vom Plasmapool auf die einzelne Spende und umgekehrt. 
  • Spendezentren, Labors, Transportfirmen, Lager des Plasmas (Drittländer und EU): Für all diese muss die genaue Adresse sowie das Datum der letzten behördlichen Inspektion angegeben werden.

 

2004 wurde EU-weit ein eigenes zentrales Zulassungsverfahren für das PMF ins Leben gerufen: Dieses Zulassungsverfahren wird als „Plasma Master File (PMF) - Zertifizierung“ bezeichnet und von der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) koordiniert. Nach positiver Begutachtung eines PMFs erhält der Hersteller ein so genanntes PMF-Zertifikat und hiermit eine EU-weite Zulassung für dieses Ausgangsmaterial. Das PMF-Zertifikat ist ein Jahr gültig, da jedes PMF jährlich durch die Behörden re-evaluiert werden muss (Annual Update). Erst nach positiver Begutachtung des Annual Updates wird das Zertifikat, das wieder etwa ein Jahr Gültigkeit besitzt, neu ausgestellt. Auf diese Weise wurden bis dato EU-weit 13 PMFs zentral zugelassen.


Das BASG/AGES Medizinmarktaufsicht deckt nicht nur die Begutachtung von PMFs ab, sondern auch die verbundenen behördlichen Inspektionen, sowohl in USA als auch in der EU, sowie die Plasmapooltestung.

Plasmapooltestung durch die Behörde

Wie beschrieben, werden aus dem Plasmapool Proben für eine Testung gezogen. Es muss verpflichtend auf HIV-Antiköper, Hepatitis B-Antigen  und Hepatitis C Virus RNA getestet werden. Wird das Ausgangsmaterial für die Herstellung von spezifischen Immunglobulinen für die Rhesus Prophylaxe verwendet, muss zusätzlich auf Parvo-Virus B19 DNA getestet werden. Für virusinaktiviertes, gepooltes Plasma muss zusätzlich zu den bereits erwähnten Testen auf virale Marker auf Hepatitis A-RNA und Hepatitis E-RNA getestet werden.


Für die Herstellung von Plasmaprodukten dürfen nur Plasmapools verwendet werden, bei denen die Testung mit dafür geeigneten Methoden auf die oben genannten viralen Marker ein entsprechendes Ergebnis ergibt (HIV, Hepatitis A, B und C „nicht nachweisbar“, Parvo B19  „< 10U/ml“). Dadurch ist gewährleistet, dass eine Übertragung dieser Viren auszuschließen ist.


Die Testung muss sowohl vom Hersteller, als auch von einem behördlichen Arzneimittelkontrolllabor durchgeführt werden. Der Hersteller erhält vom OMCL ein  Plasmapoolzertifikat, das die Freigabe des Plasmas bestätigt.

Bei Rückfragen kontaktieren Sie bitte

Abteilung BPSA
Institut BGA

 

Plasma Master File (Europäische Arzneimittelagentur)

Erstellt am: 18.07.2012 | Geändert am: 09.03.2017

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