COVID-19: Warnung vor falscher Anwendung von Chloroquin

Kurzmeldungen | 02.04.2020

Chloroquin und Hydroxychloroquin, zwei derzeit für Malaria und bestimmte Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Rheuma, Lupus) zugelassene Arzneimittel, werden derzeit auf ihr Potenzial zur Behandlung der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) untersucht. Die Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung von COVID-19 muss jedoch noch in Studien gezeigt werden.

Es ist von entscheidener Bedeutung, dass Ärzte und Patienten die beiden Substanzen Chloroquin und Hydroxychloroquin nur für ihre derzeit bereits überprüften und zugelassenen Indikationen verwenden. Eine Anwendung gegen COVID-19 darf nur im Rahmen streng überwachter klinischer Studien oder nationaler Notfallprogramme stattfinden.

Sowohl Chloroquin als auch Hydroxychloroquin können schwerwiegende - und bei falscher Anwendung sogar potentiell tödliche - Nebenwirkungen haben, insbesondere bei hohen Dosen oder wenn sie in Kombination mit anderen Arzneimitteln verwendet werden. Sie dürfen niemals ohne Rezept und ohne ärztliche Aufsicht angewendet werden. Ärzte sollen aus Sicherheitsgründen keine Rezepte für diese beiden Substanzen außerhalb ihrer zugelassenen Indikationen ausstellen, ausgenommen einer Anwendung im Rahmen einer klinischen Studie oder national anerkannter Behandlungsprotokolle.

Im Moment laufen große klinische Studien, um jene verlässlichen Daten zu erheben, die zur Feststellung der Wirksamkeit und Sicherheit von Chloroquin und Hydroxychloroquin bei der Behandlung von COVID-19 erforderlich sind. Die europäische Arzneimittelagentur EMA und die nationalen Arzneimittelbehörden befürworten und begrüßen diese Studien, da sie es den Behörden in Folge ermöglichen werden, Ärzten und Patienten zuverlässige Empfehlungen über den weiteren Einsatz der beiden Substanzen auf Grundlage solider Beweise zu erteilen.

In Anbetracht der Dringlichkeit und des Drucks, dem die Gesundheitssysteme während der COVID-19-Pandemie ausgesetzt sind, werden die Länder die Möglichkeit erwägen die streng kontrollierte und experimentelle Anwendung dieser beiden Arzneimittel bei Patienten mit schweren Formen von COVID-19 zu ermöglichen.

Chloroquin und Hydroxychloroquin sind aber auch wichtige Arzneimittel für Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und Lupus. Es ist daher wichtig, dass auf Grund der beschränkten Verfügbarkeit der Wirkstoffe auch diese Patienten weiterhin in der Lage sind, die beiden Arzneimittel zu erhalten und dass sie bei ihrer Behandlung keinen Engpässen ausgesetzt sind, die durch falsche Bevorratung oder leichtfertige Verwendung der Wirkstoffe außerhalb der zugelassenen Indikationen verursacht werden. Es ist bekannt, dass einige Ländern bereits die Verschreibung der Arzneimittel limitiert und eingeschränkt haben, um das Risiko von Engpässen zu verzögern bzw. zu verringern.


Informationen für Patienten

• Verwenden Sie Chloroquin oder Hydroxychloroquin nur, wenn es ihnen von ihrem Arzt verschrieben wurde und ein Arzt Ihre Behandlung überwacht.
• Führen sie keinesfalls unkontrollierte Selbstbehandlungen mit diesen Wirkstoffen durch und versuchen sie auch nicht möglicherweise gefälschte Wirkstoffe aus dubiosen Quellen wie z.B. dem Internet zu beziehen.
• Wenn Sie Fragen zur Verwendung von Chloroquin oder Hydroxychloroquin oder einem anderen Arzneimittel haben, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Informationen für Ärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe:

•  Chloroquin und Hydroxychloroquin sollten bei der Behandlung gegen COVID-19 vorwiegend nur im Rahmen klinischer Studien verwendet werden. Außerhalb klinischer Studien können die beiden Wirkstoffe eingeschränkt auch gemäß nationaler anerkannter Behandlungsprotokolle verwendet werden.
• Die Therapie von Patienten mit chronischen Autoimmunerkrankungen mit Chloroquin und Hydroxychloroquin muss sichergestellt bleiben. Um die Versorgung und die Lieferketten nicht zu überfordern sollen Ärzte ihren Patienten nur die bislang übliche Menge an Medikamenten verschreiben. Ärzte sollten keine Rezepte ausstellen, die für eine längere, als die übliche Dauer bestimmt sind und Verschreibungen auf Vorrat dringend vermeiden.

weitere Links und Informationen: https://www.ema.europa.eu/en/news/covid-19-chloroquine-hydroxychloroquine-only-be-used-clinical-trials-emergency-use-programmes

 

Rückfragen (fachlich):

Dr. Christoph Baumgärtel, Tel.: +43 505 55-36004
E-Mail: christoph.baumgaertelagesat

Rückfragen (für Medien):

Kommunikationsmanagement, Tel.: +43 505 55-25000
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