Allheilmittel GcMAF?

Seit einigen Jahren zirkulieren im Internet Informationen bezüglich der Substanz „GcMAF“. Diese wird von diversen online-Quellen als völlig unbedenkliches „Heilmittel“ für eine große Anzahl an Erkrankungen, insbesondere Krebserkrankungen, Autismus, verschiedene Virusinfektionen (HIV, Hepatitis B und C, Influenza, etc.), chronisches Ermüdungssyndrom und Autoimmunerkrankungen (ALS, MS, etc.) angepriesen.

Was dahintersteckt

GcMAF (Gc-protein derived macrophage activating factor) ist ein im Körper natürlich vorkommendes Protein, das durch Modifikation des sogenannten Vitamin D-bindenden Proteins (Gc-Protein) gebildet wird. Makrophagen Aktivierende Faktoren (MAFs) sind zusammen mit anderen Faktoren an der Aktivierung von Makrophagen beteiligt. Makrophagen sind ihrerseits Zellkomponenten der angeborenen Immunantwort, die gemeinsam mit der adaptiven Immunantwort das Immunsystem bildet. Sobald körperfremde Stoffe oder Organismen in den Körper eindringen, übernimmt die angeborene Immunantwort die erste, eher unspezifische Abwehr. Die von B- und T-Zellen vermittelte erregerspezifische Verteidigung im Rahmen der adaptiven Immunantwort wird hingegen etwas verzögert aktiviert.

 

Grundlage für den versprochenen Erfolg der GcMAF-Immuntherapie ist, laut Vertreibern, die Aktivierung der körpereigenen Makrophagen. Folglich sollen diese spezifisch - je nach vorliegender Erkrankung - Krebs- bzw. von Viren befallene Zellen angreifen oder im Fall einer Autoimmunerkrankung regulierend auf die überschießende Immunantwort einwirken. So soll innerhalb kürzester Zeit eine vollständige Heilung erzielt werden.

Neue Erkenntnisse

Die Behauptungen, die im Internet bezüglich der Wirksamkeit von GcMAF kursieren stützen sich überwiegend auf mehrere Publikationen von Dr. Nobuto Yamamoto. Im Zuge aktueller Recherchen konnte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) jedoch feststellen, dass drei von vier wissenschaftlichen Journalen die Artikel von Dr. Yamamoto1-3 aufgrund verschiedener Unstimmigkeiten zurückgezogen haben.

 

So führen Mitglieder des Anticancer Fund Belgien in einem ‚Letter to the editors‘, der im Juli 2014 in Cancer Immunology, Immunotherapy (Springer Verlag) publiziert wurde, mehrere fragliche Punkte in einer Publikation von Yamamoto an.4 Neben formalen Fehlern in den Forschungsarbeiten wird z.B. angemerkt, dass die natürliche Konzentration von GcMAF im Blut, auch bei onkologischen Patienten, die von Yamamoto empfohlene Dosis von 100ng pro Einzelbehandlung um das 40.000-fache übersteigt (rund 4mg/L Blut). Somit erachten die Autoren eine therapeutische Wirkung der verabreichten Dosis als unwahrscheinlich.

 

Weiters informieren diverse Anbieter von GcMAF, dass bei der Therapie nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen sei, da es sich um einen „körpereigenen Immunmodulator“ bzw. einen „körpereigenen Wirkstoff“ handelt. Dieses Argument ist aus Sicht der belgischen Autoren nicht nachvollziehbar, da es bekannt ist, dass eine Überdosierung von beispielsweise Insulin (ebenfalls eine körpereigene Substanz) starke Nebenwirkungen und sogar den Tod zufolge haben kann. Sofern es sich bei GcMAF tatsächlich um ein hochwirksames Immuntherapeutikum handelt, besteht zudem die Gefahr einer Überaktivierung des Immunsystems im Sinne einer Autoimmunreaktion.

 

Da GcMAF und seine Nachfolgeprodukte, wie etwa GOleic, GcOleic, RERUM oder BRAVO, online nicht von registrierten Versandapotheken angeboten werden, besteht aufgrund ungesicherter Bezugsquellen zusätzlich die Möglichkeit einer technisch und hygienisch unzureichenden Herstellungsqualität. Dies kann im schlimmsten Fall schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Patienten mit sich bringen.

 

In einem kleinen Fläschchen befinden sich wenige Milliliter einer klaren Flüssigkeit. Das Etikett des Fläschchens ist mit "GcOleic, 800ng" und dem Hinweis "Keep refrigerated" beschriftet ist. Daneben liegt eine Injektionsspritze, die mit dem Produkt geliefert wird. Obwohl es sich um ein nicht zugelassenes, illegales "Arzneimittel" handelt, vermittelt die Aufmachung des Produktes einen durchaus seriösen Eindruck.
Durchstechflasche und Injektionsspritze des Produktes GcOleic

Fazit

Die Wirksamkeit und Sicherheit einer Therapie mit GcMAF gilt aufgrund der aktuellen Literatur zum Thema als nicht gesichert. Zusätzlich stellt der Online-Arzneimittelhandel abseits registrierter Versandapotheken eine weitere Gefahrenquelle dar, da in den meisten Fällen eine entsprechende Kontrolle der Herstellungsqualität nicht gewährleistet werden kann.

Referenzen

  1. RETRACTED ARTICLE Yamamoto N et al., Immunotherapy of HIV-infected patients with Gc protein-derived macrophage activating factor (GcMAF). J Med Virol 2009, 81(1):16-26
  2.  RETRACTED ARTICLE Yamamoto N et al.: Immunotherapy of metastatic colorectal cancer with vitamin D-binding protein-derived macrophage-activating factor, GcMAF. Cancer Immunol Immunother 2008, 57(7):1007-16
  3.  RETRACTED ARTICLE Yamamoto N et al.: Immunotherapy of metastatic breast cancer patients with vitamin D-binding protein-derived macrophage activating factor (GcMAF). Int J Cancer 2008, 122(2):461-7
  4.  Ugarte A et al., Inconsistencies and questionable reliability of the publication “Immunotherapy of metastatic colorectal cancer with vitamin D-binding protein-derived macrophage-activating factor, GcMAF” by Yamamoto et al. Cancer Immunol Immunother 2014, 63(12):1347-8

Erstellt am: 06.04.2017

© Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
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