Überprüfung von Ranitidin-haltigen Arzneimittel aufgrund möglicher Verunreinigung mit NDMA

Sicherheitsinformation | Kurzmeldungen | 17.09.2019

Maßnahmen auf EU Ebene

Auf Anforderung der Europäischen Kommission hat die europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) begonnen, Ranitidin-haltige Arzneimittel zu überprüfen, nachdem bei Untersuchungen Verunreinigungen mit N-Nitrosodimethylamin (NDMA) festgestellt wurden. NDMA wird aufgrund von Tierversuchen als wahrscheinlich krebserzeugende Substanz für den Menschen eingestuft. Es ist in kleinen Mengen auch in einigen Nahrungsmitteln und Wasservorräten enthalten, aber es ist nicht zu erwarten, dass NDMA Schaden anrichtet, wenn es in sehr geringen Mengen aufgenommen wird. EMA evaluiert derzeit Daten zur Beurteilung des Risikos von Patientinnen und Patienten, die mit Ranitidin-haltigen Arzneimitteln behandelt werden und durch die Einnahme in Kontakt mit NDMA gekommen sind. Sobald Ergebnisse vorliegen, wird eine entsprechende Information veröffentlicht werden. Ranitidin-haltige Arzneimittel sind weitverbreitete Medikamente zur Reduktion der Magensäureproduktion bei Refluxkrankheiten und Ulcustherapien. Diese Arzneimittel sind in der Europäischen Union sowohl auf Rezept als auch rezeptfrei erhältlich. In Österreich sind die derzeit zugelassenen Arzneimittel ausschließlich auf Rezept erhältlich. Patientinnen und Patienten, die aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse Bedenken zur Therapie haben, mögen sich an die behandelnde Ärztin, den behandelnden Arzt, die Apothekerin oder den Apotheker wenden. Es sind andere Arzneimittel bzw. Alternativen für dieselben Behandlungsgebiete wie die von Ranitidin zugelassen. NDMA und verwandte Subtanzen, welche generell als Nitrosamine bezeichnet werden, wurden im Jahr 2018 in einigen Blutdruckmedikamenten (auch bekannt als Angiotensin-II-Rezeptorblocker oder „Sartane“) gefunden. Dies führte europaweit zu Rückrufen und in weiterer Folge zu strikten neuen Anforderungen an die Herstellung von Sartan-haltigen Arzneimitteln. EMA arbeitet gerade an einer Richtlinie zur Vermeidung von Nitrosaminen in anderen Arzneimittelklassen. EMA wird weiterhin mit den nationalen Arzneimittelbehörden, EDQM (European Directorate for the Quality of Medicines) und internationalen Partnern zusammenarbeiten, um die Gesundheit von Patientinnen und Patienten zu schützen und effektive Maßnahmen zu setzen, damit Arzneimittel frei von nitrosaminhaltigen Verunreinigungen sind. Update 26.09.2019:
Aufgrund erster Ergebnisse zu NDMA-positiv getesteten Ranitidin-haltigen Arzneimitteln in Europa wurde das CEP (Certificate of Suitability of Monographs of the European Pharmacopoeia betreffend den Wirkstoff) von "SARACA LABORATORIES LIMITED IN 502 319 Gaddapotharam Village" (in der Folge kurz: „Saraca“), R1-CEP 2004-057-Rev 07, mit 19.09.2019 vom EDQM (European Directorate for the Quality of Medicines) suspendiert.

Über Ranitidin-haltige Arzneimittel

Ranitidin gehört zu der Arzneimittelklasse, die als H2-Blocker (Histamin-2-Blocker) bekannt sind. Sie blockieren die Histaminrezeptoren im Magen und reduzieren somit die Produktion von Magensäure. Ranitidin wird zur Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen angewendet, die durch überschüssige Magensäure wie Sodbrennen und Magengeschwüre verursacht werden. Ranitidin-haltige Arzneimittel sind durch nationale Arzneimittelbehörden zugelassen und als Tabletten oder Injektion/Infusion in der Europäischen Union am Markt.

Über das Verfahren

Das Verfahren zur Überprüfung von Ranitidin-haltigen Arzneimitteln wurde am 12. September 2019 auf Anforderung der Europäischen Kommission als Artikel 31 Verfahren (Article 31 of Directive 2001/83/EC) gestartet. Das Verfahren wird vom CHMP („Committee for Medicinal Products for Human Use“ bzw. Kommittee für Humanarzneimittel) durchgeführt und entschieden.
Diese CHMP-Entscheidung wird nach erfolgter Beurteilung an die Europäische Kommission weitergeleitet und schlussendlich in eine rechtlich bindende Vorgabe für alle europäischen Mitgliedsstaaten übergehen.

Situation in Österreich

Update 26.09.2019:Da NDMA als wahrscheinlich krebserzeugende Substanz beim Menschen eingestuft wird und das CEP zu Ranitidine hydrochloride von „Saraca“ suspendiert wurde, werden jene Arzneispezialitäten bzw. Chargen, die mit Wirkstoff von „Saraca“ hergestellt wurden, vorsorglich bis auf Apothekenebene zurückgerufen.

Es wurden entsprechende Untersuchungen eingeleitet, um mögliche weitere betroffene Ranitidin-haltige Arzneispezialitäten zu identifizieren, die in Österreich am Markt sind. Das BASG wird entsprechend dieser Ergebnisse und Bewertung von Nutzen und Risiko weitere Maßnahmen setzen und informieren.

In Österreich werden deshalb weitere Arzneispezialitäten, die von möglichen NDMA-Verunreinigungen betroffen sind, vorsorglich bis auf Apothekenebene zurückgerufen (Stand 26.09.2019):

  1. Ranitidin Accord 150 mg Filmtabletten
  2. Ranitidin Accord 300 mg Filmtabletten
  3. Zantac 150 mg - Brausetabletten
  4. Zantac 300 mg - Brausetabletten
  5. Ranitidin "ratiopharm" 150 mg - Filmtabletten
  6. Ranitidin "ratiopharm" 300 mg - Filmtabletten

Folgende Arzneispezialitäten wurden bereits zurückgerufen:     7. Ranitidin 1A Pharma 300 mg – Filmtabletten     8. Ranic Hexal 150 mg – Filmtabletten
    
9. Ranic Hexal 300 mg – Filmtabletten Informationen zu den betroffenen Chargennummern bzw. Rückrufen sind ebenfalls den Amtlichen Nachrichten des BASG zu entnehmen.

Rückruf von "1A Pharma GmbH" und "Hexal Pharma GmbH"
PZN (Pharmazentralnummer)ArzneispezialitätChargeAblaufdatum
1339551Ranic Hexal 150 mg – Filmtabletten
(20 Stück Packung)
FL1894
GC0445
GG4033
HF7413
JF5814
31.01.2020
31.01.2021
31.03.2021
30.04.2022
31.07.2021
1339568Ranic Hexal 150 mg – Filmtabletten
(50 Stück Packung)
FB1364
FF3575
FP1378
FY7863
GC0443
GG4030
GL1454
GW3419
HF7415
HW0843
JC5224
JU7248
JU7252
31.12.2019
31.01.2020
31.07.2020
30.11.2020
31.01.2021
31.03.2021
30.11.2020
31.07.2021
30.04.2022
28.02.2021
31.05.2021
31.10.2021
31.10.2021
1339574Ranic Hexal 300 mg – Filmtabletten
(10 Stück Packung)
FA8464
FX4780
GL6339
HH4324
JJ7113
30.11.2019
30.09.2020
28.02.2021
30.04.2022
31.07.2021
1339580   Ranic Hexal 300 mg – Filmtabletten
(30 Stück Packung)
FB9981
FM5399
FP7912
FU3554
GA5053
GF6553
GL6329
GT4706
GU5257
HA9599
HN8232
HR9198
JF4647
JR8004
30.11.2019
30.06.2020
30.06.2020
30.09.2020
31.12.2020
31.12.2020
28.02.2021
31.07.2021
31.07.2021
31.12.2021
31.07.2022
31.10.2022
30.04.2021
31.12.2021
2431566Ranitidin 1A Pharma 300 mg – Filmtabletten
(10 Stück Packung)
GH7122
HY8294
28.02.2021
31.03.2021
2431572Ranitidin 1A Pharma 300 mg – Filmtabletten
(30 Stück Packung)
FA8465
FG8960
FP7904
FX4777
FY2892
GT6029
GY6275
HN8231
HY8292
JR6922
30.11.2019
31.03.2020
30.06.2020
30.09.2020
31.10.2020
31.07.2021
30.11.2021
31.07.2022
31.03.2021
31.12.2021
Rückruf von "Accord Healthcare B.V."
PZN (Pharmazentralnummer)ArzneispezialitätChargeAblaufdatum
4204283Ranitidin Accord 150 mg Filmtabletten
(30 Stück Packung)
PT0470230.11.2019
4204320Ranitidin Accord 300 mg Filmtabletten
(30 Stück Packung)
PX0101031.12.2020
Rückruf von "GlaxoSmithKline Pharma GmbH"
PZN (Pharmazentralnummer)ArzneispezialitätChargeAblaufdatum
2479320Zantac 150 mg - Brausetabletten
(20 Stück Packung)
17001929831.10.2020
2479337Zantac 150 mg - Brausetabletten
(50 Stück Packung)
170010387
170004912
31.03.2020
29.02.2020
2479343Zantac 300 mg - Brausetabletten
(10 Stück Packung)
180004449
1601609101
28.02.2021
30.09.2019
2479366Zantac 300 mg - Brausetabletten
(30 Stück Packung)
180012086
180002870
1601685601
1601685501
31.07.2021
28.02.2021
30.09.2019
30.09.2019
Rückruf von "Teva B.V."
PZN (Pharmazentralnummer)ArzneispezialitätChargeAblaufdatum
2428357Ranitidin "ratiopharm" 150 mg - Filmtabletten
(20 Stück Packung)
U02855F
U30266A
31.01.2020
31.10.2020
2428363Ranitidin "ratiopharm" 150 mg - Filmtabletten
(50 Stück Packung)
U08356A
V00866D
31.03.2020
31.12.2020
2428386Ranitidin "ratiopharm" 300 mg - Filmtabletten
(10 Stück Packung)
U09527C31.03.2020
2428392Ranitidin "ratiopharm" 300 mg - Filmtabletten
(30 Stück Packung)
T27910A
U09527A
U25430A
V00999A
31.10.2019
31.03.2020
31.08.2020
31.12.2020

Dem BASG liegen zu den genannten Arzneimitteln keine, für diesen Sachverhalt relevante, Nebenwirkungsmeldungen aus Österreich vor.

Empfehlungen des BASG

Empfehlungen für Anwenderinnen und Anwender:

Bitte evaluieren Sie den Einsatz eines alternativen Arzneimittels.

Empfehlungen für Patientinnen und Patienten:

Es besteht keine akute Gefahr. Aus heutiger Sicht besteht daher keine akute Notwendigkeit, eine angebrochene Packung abzusetzen. Falls Sie weitere Fragen haben oder sich unsicher fühlen, wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin / Ihren Arzt. Ihre Ärztin / Ihr Arzt kann Ihnen bei Bedarf ein anderes geeignetes Arzneimittel verschreiben.

Weitere Informationen

Presseaussendung der Europäischen Arzneimittelagentur (13.09.2019):
EMA to review ranitidine medicines following detection of NDMA
EMA to provide guidance on avoiding nitrosamines in human medicines
 

Rückfragen (fachlich):

Dr. Christoph Baumgärtel, Tel.: 050555 - 36004
E-Mail: christoph.baumgaertel@ages.at

Rückfragen (für Medien):

Kommunikationsmanagement, Tel.: 050555 - 25000
E-Mail: presse-basg@basg.gv.at

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